Alle lesen nur mehr einfache Zusammenfassungen, so versteht niemand das große Ganze

Für die einen war es eine Wissensrevolution, die den Traum des einfachen Lernens wahr werden ließ. Andere fürchteten Verdummung und Kulturverfall: warum das Aufkommen der Lexika im 18. Jahrhundert für den aktuellen Boom der Künstlichen Intelligenz lehrreich ist.

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Vielleicht kommt Ihnen das bekannt vor: „Alle lesen nur mehr einfache Zusammenfassungen, so versteht niemand das große Ganze. Die jungen Leute denken nicht mehr selbst und können sich nicht lange konzentrieren. Wie kann man vertrauen, dass die verkürzten Informationen richtig sind?“ Oder auch: „Das ist eine völlig neue Form, um Informationen den Menschen einfach zugänglich zu machen. Alle können schnell auf Wissen zugreifen. Niemand braucht dafür jahrelang zu lernen. Eine Revolution des Lernens und der Wissensvermittlung!“

Die Vermutung liegt nahe, dass hier über die Risiken und Chancen von Künstlicher Intelligenz diskutiert wird. Doch überraschenderweise hat man schon vor 300 Jahren diese Argumente ins Treffen geführt. Denn in ganz Europa gab es eine neue Sucht: nach Wörterbüchern. Damals bezeichnete man Lexika als Wörterbücher, weil ihr Inhalt rund um Wörter organisiert ist. Heute verbinden wir den Begriff „Wörterbuch“ nur mehr mit Sprache.

„Dass die Menschen sich über Lexika Sorgen gemacht haben, klingt heute unverständlich“, sagt Linn Holmberg von der Universität Stockholm im Gespräch mit der FURCHE. Sie sind für uns anerkannte Nachschlagewerke; vielbändige Ausgaben füllten in der vordigitalen Zeit die Bücherschränke der Haushalte.

„Mit der Massenproduktion von Lexika wurden Wörter der Einstiegspunkt zu Wissen. Man kann das als eine Form von Informationstechnologie sehen, die den Menschen eine neue Art des Lernens ermöglichte“, erklärt Holmberg.

Ein weiterer Kritikpunkt betraf damals die Sorge, die Kontrolle über Informationen und ihren Wahrheitsgehalt zu verlieren. Denn jeder konnte Lexika erstellen, oft als kommerzielles Massenwerk mit fehlerhaften Inhalten. Heute sorgen wir uns über halluzinierende KI-Chatbots, fehlende Quellenangaben und ebenfalls kommerzielle Interessen.

„Bei neuen Technologien sind manche euphorisch, andere machen sich Sorgen. Diese Bedenken sollte man ernst nehmen und nicht – wie so oft – als konservativ und unwichtig abtun, weil sich Menschen sowieso immer gesorgt haben.“


Auszüge ⬆️ aus einem zahlungspflichtigen Bericht https://www.furche.at/wissen/wie-der-ki-hype-historisch-zu-verstehen-ist-18692210


Mehr zum Thema KI gibt es in diesem Blog hier: https://robertmeidling.blog/category/ki/

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