28. Oktober 2024
In den vergangenen Tagen und Wochen war es rund um den Volkswagenkonzern verdächtig ruhig. Heute hat es (den ersten?) großen „Rumms“ gegeben.
Werke sollen geschlossen werden, zehntausende (!) Arbeitsplätze sollen abgebaut werden. Von Gehaltskürzungen und Nulllohnrunden ist die Rede.
„Diese Rabiatpläne des Vorstandes sind in keiner Weise hinnehmbar und ein Bruch mit allem, was wir in den letzten Jahrzehnten im Unternehmen erlebt haben“, sagte IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger.
Für VW-Verhältnisse sind die Sparpläne extrem. So viele Werke und Stellen, das war trotz düsterer Lage nicht zu erwarten, eben weil es Volkswagen ist.
Laut Konzernbetriebsratschefin Cavallo stehen mindestens drei deutsche Werke und Zehntausende Arbeitsplätze auf der Streichliste. Demnach drohen einschneidende Maßnahmen an allen Standorten, kein Werk ist sicher.
Als besonders gefährdet gilt laut Betriebsrat das Werk in Osnabrück, das kürzlich einen erhofften Folgeauftrag von Porsche verloren hatte.
Am Mittwoch legen die Wolfsburger auch ihre Ergebnisse für das dritte Quartal vor, die nach Einschätzungen von Analysten ernüchternd ausfallen werden. Ende September hatte der Autobauer zum zweiten Mal eine Gewinnwarnung für das laufende Geschäftsjahr ausgegeben und in diesem Zuge die Prognosen für Umsatz und Rendite nach unten korrigiert.
Ich formuliere hier jetzt möglicherweise zu drastisch oder zu dramatisch. Aber: Diese Krise bei VW könnte einen nicht unerheblichen Teil der deutschen Volkswirtschaft in eine Krise stürzen.
⬆️ Die aktuellen Meldungen ab 28. Oktober.
⬇️ Ab hier die ersten Meldungen über die Krise bei VW.
2./3. September 2024
Ergänzungen vom 6., 8., 10., 20., 27./28. September 2024, 7. Oktober 2024
Wankt ein Riese?
Was sind dann solche Zusicherungen noch wert? Nichts.
Die Situation bei Europas größtem Autobauer spitzt sich zu: Volkswagen verschärft seinen Sparkurs und schließt erstmals Werksschließungen in Deutschland nicht mehr aus. Zudem soll die bis 2029 geltende Beschäftigungssicherung gekündigt werden, so dass Kündigungen von Mitarbeitern möglich sind.
Das klingt bedrohlich, sehr bedrohlich (für die davon Betroffenen).
In einer Mitteilung des Betriebsrats hieß es, das Management halte mindestens ein größeres Autowerk sowie eine Komponentenfabrik für überflüssig. „Damit geraten alle deutschen Standorte in den Fokus – egal ob Standort der Volkswagen AG oder Tochter-Standort, egal ob west- oder ostdeutsch“, hieß es. Welche Werke konkret betroffen sein könnten, blieb zunächst offen.
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/volkswagen-sparprogramm-entlassungen-100.html
Ein Auszug aus einem anderen Bericht:
Monatelang haben Betriebsrat und Management des Volkswagen-Konzerns versucht, sich auf Kostensenkungen zu verständigen. Jetzt eskaliert der Konflikt um Stellenabbau und Überkapazität im Unternehmen. „Der Vorstand hat versagt“, wettert Betriebsratschefin Daniela Cavallo in einer internen Mitteilung an die Belegschaft. „Die Folge ist ein Angriff auf unsere Beschäftigung, Standorte und Tarifverträge.“ Aus Sicht von Cavallo stellt das Management die ganze Wolfsburger Stammmarke VW infrage, die mit rund fünf Millionen Autos für mehr als die Hälfte des Absatzes im Konzern steht und besonders unter Spardruck steht. „Wir werden nicht zulassen, dass wir hier abgewickelt werden“, sagt Cavallo und warnt vor einem „Ausverkauf des Standortes Deutschland“.
Aus meiner ehemaligen beruflichen Tätigkeit weiß ich oder – besser gesagt – kann ich erahnen, was solche Äußerungen bedeuten (können).
Ich denke, die Lage ist dramatischer, als sie nach außen dargestellt wird. Für alle davon Betroffenen hoffe ich natürlich, dass es nicht allzu schlimm kommen wird.
Wenn es in so einem großen Komplex zu knistern beginnt, von „krachen“ möchte ich hier jetzt noch gar nicht sprechen, dann könnte das in letzter Konsequenz dramatisch werden.
Das obere Management wird seine Schäfchen schon im Trockenen haben, um das mittlere Management wird man sich auch keine großen Sorgen machen müssen. Leidtragend sind – wie so oft – die (sogenannten) Kleinen, die aber das Werkel am Laufen halten.
Ergänzung zu meinen „ursprünglichen Zeilen“ ⬆️:
VW-Topmanager müssen außerdem auf Porsche-Sportwagen als Dienstfahrzeuge verzichten und stattdessen ordinäre Volkswagen fahren. So stellte man sich in Wolfsburg das Sparen vor. Mittlerweile ist die Not so groß, dass nur noch harte Einschnitte helfen.
Die Konzernbosse in Wolfsburg sind mittlerweile offenbar aufgewacht.
Ist ein Auszug aus einem zahlungspflichtigen Artikel.
Ist die Kacke doch größer am Dampfen?
Erschreckend!
Diese Krise – sollte sie noch größer werden – könnte auf den gesamten Standort Deutschland durchschlagen.
Nicht vergessen darf man in diesem Zusammenhang auch nicht diverse Zulieferer und Zuarbeiter.
Da könnte ein Dominoeffekt entstehen, deren Ausmaß man sich noch gar nicht vorstellen möchte.
Heftig!
6. September 2024
Mittlerweile – ein paar Tage nach meinen ersten diesbezüglichen Zeilen – muss man der Meinung sein: Die Kacke ist ganz groß am Dampfen.
Denn Volkswagen ist nicht mehr bloß der Anfang. In der deutschen Autoindustrie rumort es bereits: Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen will sich von bis zu 14.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen trennen. Das als Dübel-Lieferant bekannte Unternehmen Fischer hat gerade sein Geschäft mit Teilen für Autos an einen Private-Equity-Investor verkauft. Continental will sich von seiner kompletten Autosparte trennen.
Die negative Entwicklung ist wohl nicht mehr aufzuhalten.
Traurig! Dramatisch!
8. September 2024
Mitarbeiter, die teilweise über Jahrzehnte und Generationen hinweg beim Konzern beschäftigt sind, zittern um die Arbeitsplätze und an die Aktionäre werden Milliarden ausgeschüttet.
Eine so angespannte wirtschaftliche Situation habe es noch nie gegeben: So rechtfertigt VW-Chef Oliver Blume den Sparkurs des Konzerns.
Milliarden für Aktionäre:
Insgesamt schüttet die Volkswagen AG für das Geschäftsjahr 2023 4.5 Mrd. Euro an seine Aktionäre aus.
Es fehlen einem die Worte …
Pressemeldung vom 10. September 2024
Niedersachsens IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger sprach von „einem beispiellosen Angriff auf das gemeinsame, historische Tarifwerk“, mit dem VW die Situation nun unnötig eskaliere.
Der Konzern verwies dagegen auf die kritische Lage der schwächelnden Kernmarke VW, die sich mit den bisherigen Maßnahmen wie Altersteilzeit und Abfindungsprogrammen nicht lösen lasse. „Wir müssen die Volkswagen AG in die Lage versetzen, die Kosten in Deutschland auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu senken, um aus eigener Kraft in neue Technologien und neue Produkte zu investieren“, sagte Personalvorstand Gunnar Kilian laut Mitteilung.
Es brodelt immer kräftiger.
Ich/man möchte nicht wissen, was sich hinter den Kulissen abspielt. Was sich so abspielt, was nicht an die Öffentlichkeit dringt und (noch?) nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist.
Aufgrund der Unternehmensstruktur könnten die Geschehnisse und die Folgen auch weit in die Politik vordringen.
Ich bin sicher, dass auch hier (in der Politik) bereits heftig um Lösungen gerungen wird.
20. September 2024
Diverse (Presse)Meldungen vom 19./20. September 2024:
„In den kommenden Jahren“ könnte der Konzern in Deutschland bis zu 30.000 Mitarbeiter abbauen.
Meine persönliche Meinung: Der Abbau von Mitarbeitern wird rascher erfolgen als „in den kommenden Jahren“.
Aktuell werden an den deutschen Standorten etwa 130.000 Mitarbeiter beschäftigt.
Die ‚Beschäftigungssicherung‘, die mit den Gewerkschaften seit Jahrzehnten Gültigkeit hatte, wurde bereits aufgekündigt.
Es wird immer dramatischer. Ich befürchte, es wird so gewaltig „krachen“, wie wir es uns nicht vorstellen können.
27./28. September 2024
Der kriselnde Volkswagen-Konzern gerät immer stärker unter Druck. Zum zweiten Mal in weniger als drei Monaten muss der Konzern seine Prognose kappen, weil VW dieses Jahr doch nicht so viele Autos verkaufen wird wie erhofft.
Bei der Kernmarke Volkswagen, bei der Nutzfahrzeugsparte und bei den Komponenten seien die Geschäfte schlechter gelaufen als erwartet. Belastend wirke die schwache Konjunktur, aus der sich weitere Risiken ergeben könnten.
7. Oktober 2024
Allgemein: Bei Volkswagen werden mittlerweile auch Standortschließungen nicht mehr ausgeschlossen.
Drei aktuelle Berichte:
Die Absatzschwäche der deutschen Autobauer hat sich im ersten Halbjahr auf die Umsätze der Branche niedergeschlagen. Die Erlöse des wichtigsten deutschen Industriezweigs gingen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nominal, also nicht bereinigt um Preiseffekte, um 4,7 Prozent auf 269,5 Milliarden Euro zurück, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/autobranche-umsatzminus-100.html
https://www.zdf.de/nachrichten/wirtschaft/autoindustrie-umsatzminus-deutschland-autobauer-100.html
Ein wirtschaftlich angeschlagener Konzern beteiligt sich an einem maroden Unternehmen:
Die Restrukturierung des angeschlagenen deutschen Batterieherstellers Varta mit Sitz im schwäbischen Ellwangen bekommt nun seine endgültigen Konturen. Wie berichtet, wird Sportwagenbauer Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG bei Varta einsteigen. Porsche hat am Montag bei der Bundeswettbewerbsbehörde den Zusammenschluss angemeldet.
Da werden Millionen hin- und hergeschoben, während Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze zittern müssen.
Die Millionen werden so lange hin- und hergeschoben, bis sich die Löcher nicht mehr stopfen lassen.
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